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Und sind wir nicht heute “postmodern” in einer Situation, in der ein “protestantischer” Glaube an die Nicht-Erkennbarkeit Gottes uns einen Subjektivismus beschert hat, der uns geradewegs regrediert auf die magischen Beschwörungen der “Neger”, “Ägypter”, “Griechen” und “Katholiken”? Sicher hatte Luther recht: Die magische Beschwörung der Weihe der Hostie (durch priesterliche Autorität) ohne das konstituierende Moment des (subjektiven) Glaubens verfehlt ganz und gar die Befreiungslehre Christi. - Darum tobte der ganze 30-jährige Religionskrieg; Reformation und Gegenreformation.-. Aber nun, in vollendeter Freiheit, wie sie dem Individuum als “Sei du Selbst” aufgegeben ist, ist ebenso die Selbstbeweihräucherung aufgetragen, als der ultimative “Geniesse!”-Befehl, der ein postdogmatisches, inhaltsfreies “Sapere aude” nicht etwa nur zulässt, sondern anordnet und unerbittlich verlangt. Die leere Freiheit hat die Erlaubnis “Du darfst!” unmittelbar in ihr Gegenteil verwandelt: “DU Musst selbst entscheiden!” nämlich “frei!” Nicht nur ohne jegliche dogmatische oder logische Substanz, sondern zwangsläufig dem “Sei du selbst!”-Befehl entsprechend, gegen jegliche Dogmatik und Logik. (Als “Fremdbestimmtes”).
Das ist die Bewegung, die in der “Leere der Lehre” statt hat und die die Moderne in die schamanistische Primitivität zurückgeführt hat. Was z.B. leichtsinnig als “Qual der Wahl” ausgesprochen werden kann ist in der Tat die tragische Situation des modernen Subjekts, das dem Über-Ich-Befehl “Sei du-selbst”-”Geniesse!” bedingungslos unterstellt ist. Dieser Befehl ist nicht etwa schwer erfüllbar, sondern er ist unmöglich zu erfüllen. Nicht etwa kann sich das Subjekt diesem Ideal der Freiheit nur schwerlich annähern, sondern jeder konkrete Versuch einer solchen annähernden Erfüllung ist nicht nur jeweils zum Scheitern verurteilt, sondern als “konkret” immer schon zum Scheitern verurteilt. (Je mehr es sich müht, desto schlimmer: Man mag es kaum sagen[weil´s ja jeder “weiss”]: Ein “Teufelskreis”)
Nur insofern lässt sich von “Postmoderne” reden: Die Moderne war christlich- patriarchaisch modern, dogmatisch, traditionalistisch. Die wahre Moderne, “Postmoderne”, ist damit fertig. Das erst ist ewige Moderne: unbedingt als “Querdenker” zu sein. Das erst ist die Anpassungsform des “Sei du selbst!”, die dieses neue Über-Ich permanent-unendlich erzwingt, mit der unbedingten Voraussetzung, nicht nur, dass es unerreichbar ist, sondern das jede Bemühung des Erreichens darum, die Schuld des Scheiterns unmittelbar erhöht.
Darum ist das Komische aller Mühen des Subjekts und seines Scheiterns wirklich tragisch. »WEITER>
(M.Herok 2009)
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