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Sapere aude

 Manfred Herok     2012

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Sapere aude!
(lateinisch)  Immanuel Kant übersetzt:
 „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

Das Zitat stammt aus den Briefen (Episteln) des römischen Dichters Horaz   (Epist. I,2,40)
und lautet dort:
Dimidium facti, qui coepit, habet:
sapere aude, incipe
(Die Hälfte der Tat hat der, der (bereits) angefangen hat.
Habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen! Fang an!)

Schon der erste Teil des Zitates
(Dimidium facti, qui coepit, habet)
hat es zum Sprichwort gebracht:
 „Frisch gewagt ist halb gewonnen!“.
Wörtlicher:
„Wer (erst mal) begonnen hat, hat (damit) schon zur Hälfte gehandelt!“

Sapere aude, der zweite Teil des Zitates besagt wörtlich
„Wage weise zu sein!“,
wobei aude der Imperativ1) Singular von audere
 (lat.: „wagen“, „wollen“, „begierig sein“)
und sapere (lat.: eigentlich: „schmecken“;
Wz. sap-, „schmecken“, „riechen“, „merken“,
ahd. int-sebjan, „bemerken“; im übertragenen Sinn: „Weisheit erlangen“, „verstehen“)
der Infinitiv 2)dieses imperativen Ausrufs  ist.

Der dritte Teil: “incipe” ist ebenfalls ein Imperativ Singular und bedeutet:
 „(Jetzt) fang an! vamos! (Let`s) go! Auf geht`s!,Los!.....“
(von incipere)

Bekannt wurde dieses Zitat in der Übersetzung Kants in seinem Aufsatz :
Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung von 1784 als Leitgedanke und Kampfspruch der Aufklärung.


Diese Umschreibung des Ausrufes sapere aude kann sich als Standardübersetzung nicht durchgesetzen.

Friedrich Schiller führte das Zitat als „vielbedeutenden Ausdruck“ eines „alten Weisen“ im 8. Brief seiner Abhandlung  -Über die ästhetische Erziehung des Menschengeschlechts von 1795 an und übersetzte es mit „Erkühne dich, weise zu sein.“

Im Allgemeinen wird sapere aude mit
„Wage, weise zu sein!“ oder
 „Wage zu wissen!“ übersetzt.

In unserem Kontext auch möglich:
“Sei begierig zu philosophieren!”
“Wage zu philosophieren!

“Habe Mut zu begreifen!”

Oder kurz gesagt, angesichts der geballten Imperativität und Abbreviation bei Horaz: und des kantschen Enthusiasmus´:
“Philosophiere!”

(M.Herok .2010)

 

 

Man kann den Ausdruck Selbstdenken häufig hören,
als ob damit etwas Bedeutendes gesagt wäre.
In der Tat kann keiner für den anderen denken, so wenig als essen und trinken; jener Ausdruck ist daher ein Pleonasmus.* 
- In dem Denken liegt unmittelbar die Freiheit, weil es die Tätigkeit des Allgemeinen,
ein hiermit abstraktes Sichaufsichbeziehen, ein nach der Subjektivität bestimmungsloses Beisichsein ist, das nach dem Inhalte zugleich nur in der Sache und deren Bestimmungen ist.”

 (G.W.F.HEGEL: Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften im Grundrisse.   >>> § 23 >>>)

Horaz
* 8. Dezember 65 v. Chr. in Venusia;
† 27. November 8 v. Chr.,
eigentlich Quintus Horatius Flaccus,         >>>

1) Der Imperativ ist einer der drei Modi des Verbs im Deutschen
(die anderen zwei sind der Indikativ und der Konjunktiv).
Der Imperativ (von Latein imperare: befehlen)
wird in erster Linie für Aufforderungen und Befehle
oder Ratschläge und Einladungen benutzt.
Typisch für den echten Imperativ ist, dass er ohne Personalpronomen verwendet wird.
Man unterscheidet zwischen Imperativformen ohne Personalpronomen
(zum Beispiel geh! oder geht!) und Ersatzformen mit Personalpronomen,
die anstelle von nicht existierenden Imperativformen verwendet werden
(gehen wir! gehen Sie!).

2) Infinitiv (lat. infinitum, „das Unbestimmte“, „das Unvollendete“)
ist der Name für eine Verbform, in der Numerus
und (normalerweise) Person nicht ausgedrückt werden.
Infinitivformen gibt es gleichwohl in verschiedenen Tempora („gesehen haben“)
und unterschiedlicher Diathese („gesehen worden sein“).
Zusammen mit den Partizipien gehört der Infinitiv zu den infiniten Verbformen.

* Ein Pleonasmus
(gr.. πλεονασμóς
pleonasmós „Überfluss“)
ist eine rhetorische Erscheinung,
bei der innerhalb einer Wortgruppe eine bestimmte Bedeutung mehrfach auf unterschiedliche Weise (oft mit verschiedenen Wortarten, etwa Adjektiv/Substantiv) zum Ausdruck gebracht wird
oder bei der Ausdrucksmittel verwendet werden, die keine zusätzliche Information beisteuern (verbale Redundanz).

Der Pleonasmus ist Verstärkung, Verdeutlichung (wenn bewußt)und besonderen Hervorhebung des Gesagten
(“weisser Schimmel”,„kaltes Eis“; „mit meinen eigenen Händen angefasst“, “wirklich wahr”...).
Feststehende Wendungen mit pleonastischem Charakter entstehen, wenn einer der Bestandteile (etwa ein ungebräuchliches Wort oder ein Fremdwort) seine ursprüngliche Bedeutung verliert und der Ausdruck zur Verdeutlichung um ein bedeutungsgleiches Element ergänzt wird („Bauchgefühl“oder gar “SuperGAU”).

 

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