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Hegel - Pöbel

 Manfred Herok     2012

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Der schlechte Pöbel läßt sich leicht

überreden. Zum Beispiel, daß der Mensch nicht Steuern zu bezahlen

[habe]. Es kann geschehen, daß durch giftig Schimpfen ohne Unterlaß

die Würde der Regierung heruntergesetzt wird. Nun ist das Allgemeine

der Gesinnung das Subjektive, was im Staat Moment ist,

was aber leicht wankend gemacht werden kann. Diese Seite ist überhaupt

schwierig. Wissenschaften bleiben von diesem ungefährdet.

– So auch die germanischen Völker; es

treten so viele Namen auf von Völkern, die sich vermischt haben. –

Bei den Römern tritt also dieser innerliche Gegensatz auf. Wir sehen

hier den Gegensatz von Ständen.|Bei den Orientalen Kasten,

bei den Griechen nur Freie und Sklaven. Die Geschichte des römischen

Reiches ist eben das gegenseitige Zerschlagen des Gegensatzes

und das Freiwerden des plebejischen Prinzips. Dieser Gegensatz

war dann verknüpft mit der Abstraktion des Staates, nicht mit dem

freien Leben. Und eben dies macht die römische virtus aus. Wir

sehen in Rom den harten Dienst der Bürger. Auch das Familienleben

war ein in sich hartes, zerstörtes, und das innere Leben dem

Staatsdienst aufgeopfert. In den Römern tritt die Wirklichkeit auf –

der Adel, die Matronen, die Vestalinnen. Diese Sittlichkeit war nur

auf das Weibliche beschränkt, nicht in der Familie vorhanden. Die

Abstraktion des Staates ist es, die sich durch den römischen Staat

überhaupt ausgebildet hatte. Einerseits Aristokraten und Plebejer, andererseits

religiöse Anschauung und persönliche Freiheit. Was religiöse

Anschauung war, ist eben in Rom Aberglaube geworden, und

auf der anderen Seite ist|persönliche Freiheit ausgeartet in einen

Pöbel. Es hat sich so zerschlagen. Die Individuen sind heruntergesetzt

worden zu bloßen Privatpersonen, wodurch das Privatrecht

eine solche Ausbildung erhielt. Es ist ein Kaiser mit ihnen, aber ein

Willkürliches und Ausgelassenes. In diesem Schmerz der Welt ist das

Selbstbewußtsein zurückgedrängt worden in sich; es hat in der wirk-lichen Welt keine Ausbildung gefunden. Es hat sich erfaßt, indem es

in sich zurückgedrängt wurde. Es erschienen eben die Philosophien,

die dies zeigen: Skeptizismus, Stoizismus, Epikureismus.

[4. Das germanische Reich]

In diesem Schmerz hat es sich selbst erfaßt, es hat seinen Schmerz erfaßt;

oder es hat sich gewußt als das, in welchem der Gegensatz selbst

ist, und hat ihn erfaßt. Es ist die Idee der Menschwerdung Gottes

unter den Völkern zur Anschauung gekommen, die Einheit der göttlichen

und menschlichen Natur.

Vorlesungen

über die Philosophie

des Rechts

Berlin 1819/1820

Nachgeschrieben von

Johann Rudolf Ringier

Herausgegeben von

EMIL ANGEHRN, MARTIN BONDELI

und

HOO NAM SEELMANN

FELIX MEINER VERLAG

HAMBURG

"Schlechte Grundsätze", sagt man, "zerstören sich von selbst, finden keinen Eingang." Das ist zum Teil wahr, zum Teil nicht; Beredsamkeit der Sophisten beim Pöbel regt seine Leidenschaften auf. "Es sei nur theoretisch, nicht Handlungen." Aber der Staat beruht auf dem Gedanken, sein Bestehen hängt von den Gesinnungen der Menschen ab; es ist ein geistiges, nicht ein physisches Reich, - der Geist ist das Wesentliche. Da sind denn insofern Maximen, Grundsätze, die den Halt ausmachen; werden diese angegriffen, so muß die Regierung einschreiten.

 

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